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Heute ist Mittwoch. Um kurz vor 6 Uhr, also wie meist vor dem Beginn ihrer eigentlichen Arbeitszeit, betritt Brigitte, die Tierheimleiterin, unser Tierheim.
Wie jeden Tag bereitet sie zunächst das Futter vor (für über 150 Katzen keine kleine Aufgabe) und begibt sich dann auf die ausführliche Runde durch die einzelnen Katzenstationen. Dabei wird allen Katzen „Guten Morgen“ gewünscht und ihnen das Futter hingestellt. Wenn die Katzen dann futtern, begutachtet Brigitte mit geübtem Blick den Zustand jedes einzelnen Tieres. Diese erste Visite nimmt viel Zeit in Anspruch, gehört aber zu einer guten Katzenhaltung.
Inzwischen sind auch die anderen Kolleginnen eingetroffen und beginnen mit ihrer nach festem Plan eingeteilten Arbeit in den einzelnen Stationen. Hier heißt es sauber machen, Katzen-WC´s reinigen und vieles andere tun. Also ran ans Werk, denn bis kurz nach Mittag soll alles fertig sein.
Von 9 bis 12 Uhr ist „offizielle“ Telefonsprechzeit, aber schon kurz nach 8 Uhr kommt der erste, aufgeregte Anruf: „Mein Kater, ein Freigänger ist seit gestern Mittag verschwunden, was tun?“ Brigitte gibt beruhigend Tipps und Hinweise und das entlaufene (?) Tier wird bei uns registriert. Den ganzen Vormittag klingelt dann das Telefon in unregelmäßigen Abständen und Brigitte beantwortet geduldig Fragen und Wünsche. Wenn es um Verwaltungssachen geht, veranlasst sie den Rückruf des zuständigen Vorstandsmitgliedes.
Zwischendurch kümmert sich Brigitte um den Betrieb, schaut besonders nach den Jungkatzen, säubert die „Mutter-mit-Kind“-Station und achtet darauf, dass wie gewohnt in allen Katzenstationen Sauberkeit und Hygiene herrscht. Jetzt schellt es am Eingangstor. Eine Dame, die zuvor bereits angerufen hatte, bringt abgehetzt die angekündigte Katze, die sie heute früh hilflos und abgemagert aufgelesen hat. Nun ist das arme Tier in Sicherheit und wird heute Nachmittag bei der Visite der Tierärztin vorgestellt werden. In einer Station hat sich inzwischen eine junge Amerikanerin niedergelassen; sie kommt regelmäßig zum Streicheln.
Um 11 Uhr wird dann planmäßig vom Lieferanten Futter angeliefert. Viele Paletten mit Dosenfutter und anderen schmackhaften Dingen müssen in den Vorratsraum geschafft werden. Alle helfen mit und das geht in die Knochen. Kurz danach wird, so war es gestern vereinbart worden, eine Mutterkatze mit ihren beiden Jungen wegen „Allergie“ der Halterin bei uns abgegeben; die Mutterkatze ist bereits wieder fortgeschritten trächtig! Und fast gleichzeitig bringen Verwandte Tipsi, einen 14-jährigen Kater, zu uns. Ihr Onkel, sein Herrchen, muss leider ins Pflegeheim.
Inzwischen ist auch Angelika, die Schatzmeisterin und sozusagen das „Mädchen für alles“ in der Verwaltung, eingetroffen. Ihr Arbeitsplatz ist unser kleines, aber ansprechend eingerichtetes Büro. Sie stürzt sich sofort über die Verwaltungsarbeiten. In einem Betrieb unserer Größe fällt viel Papierkram an. Es ist wie in einer Firma: viele Geschäftsgebiete wie Einkauf, Personal, Zahlungsverkehr, Buchhaltung, Betreuung der Mitglieder und Interessenten und vieles, vieles mehr müssen qualifiziert und korrekt bearbeitet werden. Da kommen in der Woche schon 20 bis 30 Stunden zusammen. Alle diese Arbeiten werden nicht nur ehrenamtlich, sondern auch völlig kostenfrei durchgeführt.
Gegen 13 Uhr kommt wie jeden Mittwoch
Frau Kempf , um bei den
Büroarbeiten zu helfen und besonders während
der Besuchs- und Vermittlungszeit von 14 bis 16 Uhr Besucher
zu betreuen und das Telefon zu bedienen. Natürlich
arbeitet auch Frau Kempf kostenfrei.
Bald darauf erscheint die Tierärztin zur regelmäßigen
Visite. Zusammen mit der Tierheimleiterin Brigitte werden
die Katzen „visitiert“ und, wo nötig,
behandelt und geimpft. Einen Kater und zwei Kätzinnen
nimmt die Tierärztin zwecks Unfruchtbarmachung mit
in die Praxis.
Inzwischen ist es 14 Uhr und die ersten
Besucher kommen.
Die nächsten zwei Stunden kommt das feste und eingespielte
Vermittlungsteam nicht zur Ruhe (das sind Brigitte, Frau Kempf
und Angelika; samstags übrigens anstatt Frau Kempf dann
Frau Jungmann). Geduldiges Zuhören und ausführliche
Beratung sind oberstes Gebot. Gerade die Vermittlung von
Katzen ist eines der schwierigsten Arbeitsgebiete im Tierschutz
und erfordert genaue Kenntnis der im Tierheim lebenden
Katzen sowie viel Erfahrung im Zusammenbringen von Mensch
und Katze. Nach 16 Uhr wird es dann ruhiger. Fünf
Katzen, darunter „Peterle“, ein alter Kater,
haben heute ein Zuhause gefunden.
Im Büro müssen nun noch viele Verwaltungsarbeiten
erledigt und die neuesten E-Mails beantwortet werden. Kurz
vor halb fünf kommt auch Jürgen, der Vorsitzende,
ins Tierheim. Mit zwei angemeldeten Besuchern wird nach
einem Rundgang durch das Tierheim deren Anliegen (es geht
um Beratung in Erbschaftsfragen) besprochen.
Ja, und kurz nach 17 Uhr kommt unser
langjähriges
Mitglied Gerty vollbeladen an. Sie hatte gerade die von
ihr in einem Verbrauchermarkt zu unseren Gunsten aufgestellte
Futterspenden-Box geleert und schleppt nun genau 144 400-Gramm-Dosen
Nassfutter und viele Pakete Trockenfutter in unseren Vorratsraum.
Diese Gaben entlasten unsere Futterkasse.
Nun ist es fast 18 Uhr. Die „ehrenamtlichen“ Damen
verlassen in Kürze das Tierheim und Brigitte hat gerade
die Abendfütterung der Katzen vorgenommen. Danach
macht sie sich nach ihrem 12-Stunden-Arbeitstag auf den
Weg nach Hause. In zwei oder drei Stunden wird sie allerdings
nochmals ins Tierheim kommen und eine letzte Kontrollrunde
vornehmen.
War das ein besonderer Tag? Nein, ein ganz normaler Alltag!
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