OFFENBACH POST vom 06.08.2005
Unterschlupf für Samtpfoten von
Marina Rieder
Frankfurt. Romeo ist eine wahre Schönheit. Schwarze
Flecken sprenkeln sein
weißes, glänzendes Fell. Langsam und geschmeidig
bewegt sich der Kater durch
das Gehege des Frankfurter Katzentierheims, schnuppert
am Gitter, räkelt
sich der Hand des Besuchers entgegen. Doch Romeo
hat auch seine Eigenheiten:„Der pinkelt alles an,
was er seiht“, sagt
Brigitte Maucolin. Unvermittelbar
lautet deshalb das Urteil der Tierheimleiterin.
Der drei Jahre alte Kater wird wohl den Rest seines Lebens
im Heim des
Frankfurter Katzenschutzvereins verbringen, Seit
an Seit mit den anderen
ausgesetzten, abgegebenen oder gefundenen Tieren.
Seit über 40 Jahren
kümmert sich der Verein auf seinem Gelände in
Oberrad um Katzen, die keinen
Versorger mehr haben. Die Tierschützer finanzieren
ihr Engagement
ausschließlich aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen.
Eine weitere Bewohnerin im Katzenheim ist Minka. Sie wurde
nach dem Tod
ihrer Besitzerin abgegeben. Die Katze ist 16 Jahre
alt und damit ebenfalls
ein Dauergast für Brigitte Maucolin und ihre Helfer: „ Die
gewöhnt sich
nicht mehr an ein neues Frauchen“.
Unter den rund 170 Katzen, die die vier Tierheim-Mitarbeiter
momentan
versorgen, gibt es aber auch hoffnungsvollere Fälle – allein
im vergangenen
Jahr hat der Verein 441 Katzen vermittelt. Peter
könnte bald dazugehören.
Der rot-weiß-getigerte Kater ist erst neun Monate
alt. Ein Urlauber hat das
herrenlose, abgemagerte Tier aus Rhodos mitgebracht
und es in die Obhut der
Katzenfreunde gegeben. Bevor Peter allerdings in
ein neues Zuhause abgegeben
werden kann, lässt Brigitte Maucolin ihn von einem
Tierarzt impfen,
entwurmen, untersuchen und kastrieren – das gehört
genau so zum
Standardprogramm für jeden Neuankömmling wie
die Quarantäne in abgetrennten Gehegen.
Das Heim des Frankfurter Katzenschutzvereins ist eines
der wenigen in
Deutschland, in dem ausschließlich Katzen unterkommen.
Die Mitglieder haben
das Gelände 1967 von der Stadt gepachtet und zunächst
ein Gehege gebaut.
Dieser Ursprungs-Trakt ist heute nur einer von vielen:
Für trächtige Katzen
gibt es eine „Mutter-Kind-Station“, in der
die Tiere ihre Jungen zur Welt
bringen und aufziehen können. „Hier haben sie
die nötige Ruhe dafür“, meint
Brigitte Maucolin. Im „Teenager-Gehege“ hingegen
hausen junge Katzen, die
besonders leicht zu vermitteln sind. Dazwischen liegt
die
Quarantäne-Station.
Die Hygiene-Vorschriften sind allerdings in allen Gehegen
gleich streng. Die
Tierheim-Mitarbeiter säubern die Trakte, die jeweils
aus einem Außenbereich
und einem geheizten Innenraum bestehen, täglich. Wer
ein Gehege betritt,
läuft vorher durch die „Schleuse“ – eine
Wanne mit Desinfektionsmitteln.
„Wir müssen hier sehr aufpassen, dass keine
Krankheiten eingeschleppt werde,
das breitet sich sonst sofort aus“, sagt Jürgen
Speckmann, der Vorsitzende
des Frankfurter Katzenschutzvereins.
Trotzdem sind Gäste in dem Heim gerne gesehen: Mittwochs
(14 bis 16 Uhr) und
samstags (12 bis 16 Uhr) sind Besuchszeiten. Die
Tierfreunde bieten auch
Beratung an (Tel. 069 / 651641).
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