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Aus der Frankfurter Neue Presse vom 2.
September 2002
Wo ältere Damen schnurrende Tiger mit Samtpfoten suchen
Oberrad. Wer geht ins Katzentierheim? Kleine Kinder, die zu
Hause (noch) keine Katzen haben, die mal schauen und streicheln
wollen. Und vor allem: Ältere Damen, die beim Teekränzchen
einen schnurrenden Begleiter kraulen möchten. Dieses
Klischee erfüllte der Tag der offenen Tür im Tierheim
in Oberrad zunächst nicht. Am Sonntag hatte der Frankfurter
Katzenschutzverein zum Besuch eingeladen.
Karl-Heinz Scheibe kam eines speziellen Problems. "Uns
ist das Meerschweinchen abgehauen, und ich wollte hier eine
Katzenfalle ausleihen", erzählt er. Er hofft, dass
der verloren gegangene Mitbewohner so wieder eingefangen wird.
Jürgen Speckmann, Vorsitzender des Tierschutzvereins,
verspricht zu helfen. Er hat schließlich oft genug mit
entlaufenen Tieren zu tun. Über 300 Katzen landen jährlich
bei ihm im Tierheim. Natürlich sind nicht alles Verirrte,
die von tierlieben Findern abgegeben werden. "Wir nehmen
auch Scheidungswaisen auf, oder Tiere deren Halter Allergien
bekommen haben", sagt Speckmann.
Julia Jungnickel musste ihre Katze auch abgeben, allerdings
hat sie bei ihren Eltern ein zu Hause bekommen. Die junge
Ärztin musste berufsbedingt nach Frankfurt ziehen, die
neue Wohnung war zu klein. Sie ist der Einladung ins Tierheim
gefolgt - ihren Freund im Schlepptau - um wenigstens so ihre
Katzensehnsucht zu stillen. Auf dem Flohmarktstand hat sie
sich ein Buch gekauft. "Catwatching" lautet der
Titel. So kann sie in der zu kleinen Wohnung übers Katzenbeobachten
lesen.
Zu sehen gibt es im Tierheim genug. 123 Katzen haben hier
eine vorläufige Bleibe gefunden. Das bedeutet eine Menge
Arbeit für Heimleiterin Brigitte Maucolin. Seit sechs
Jahren kümmert sich die gebürtige Französin
hier hauptberuflich um ihre Schützlinge. Füttern,
impfen, kastrieren - das sind die Routinetätigkeiten.
Für trächtige Katzen gibt es eine Geburtsstation,
wo die Katzenmütter in Ruhe ihren Nachwuchs auf die Welt
bringen können. Anschließend siedeln die jungen
Familien auf die Mutter-Kind-Station. Dort hat jede Familie
ihren eigenen, abgetrennten, beheizten und beleuchteten Wohnraum.
Ihre wichtigste Aufgabe sei es jedoch, die Tiere kennen zu
lernen, sagt Brigitte Maucolin. " Wir müssen die
Katzen kraulen, beobachten, ihren Charakter kennen lernen",
sagt die Heimleiterin. Nicht zuletzt, um entscheiden zu können,
welches Tier zu welchem Interessenten passt. "Es gint
schwierige Katzencharaktere, deren Freundschaft man sich erarbeiten
muss. So ein Tier geben wir niemandem ohne Erfahrung."
376 Katzen hat das Heim im Jahr 2001 an neue Halter vermittelt,
darunter 108 Jungkatzen. Das sind die schönsten Momente
für Brigitte Maucolin. Die schwersten Augenblicke sind
für sie, "wenn wir ein Tier erlösen müssen,
weil es zu krank ist".
Eine Besucherin wendet sich an die Expertin mit einem Problem."Wir
haben zwei Katzen, eine von ihnen lässt sich nicht anfassen",
sagt sie. Seit fünf Jahren. Da kann selbst Brigitte Maucolin
nicht weiterhelfen. "Fünf Jahre? Vergessen Sie's."
Und dann kommen sie doch noch, die älteren Damen, die
ins Klischee passsen. "Wir sind Katzenliebhaberinnen
erklären die drei, die eigens aus Bad Homburg und Ilbenstadt
angereist sind. Roswitha Wachtel hat zwei Katzen, ihre Nachbarin
Helena von Amern nur eine, denkt aber über eine Zweite
nach. "Allerdings musss ich erst noch meinen Mann überzeugen",
sagt sie mit einem Blitzen in den Augen. (jas)
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