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Katzenpost 11
Die Katzen-Post
wahre Begebenheiten rund um den
Frankfurter Katzenschutzverein
Vereinigung zur Unterhaltung eines Katzenheimes e. V.,
- als gemeinnützig und besonders förderungswürdig
anerkannt - (gegründet 1964)
60599 Frankfurt-Oberrad, Speckweg 4, Telefon 069 / 65 16 41,
Telefax 069 / 69 76 67 45, Internet: www.katzenschutzverein.de
Bankverbindungen:
Frankfurter Sparkasse Kto-Nr. 329 193 (BLZ 50050201)
Postbank Frankfurt Kto-Nr. 87108-609 (BLZ 50010060)
Texte: Christa Bauer
Zeichnungen: Angelika Speckmann
Neuerungen
a) Wohnkomfort im fünf Sterne Hotel
Das Heim bemüht sich, den Tieren ein anheimelndes Zuhause
zu bieten. Deshalb sind letztes Jahr unsere Mutter-und-Kind-Bungalows
in ganzjährig benutzbare Einzimmer-Appartements umgewandelt
worden. Bisher standen die Häuschen in einem freien Gehege
und waren durch ein Dach gegen Regen geschützt. Aber
an kühlen Frühlingstagen oder nebligen Herbsttagen
gab es nur die Möglichkeit, sich in die beheizten Häuschen
zurückzuziehen. Nun stehen die Häuschen hinter Glas
- hitzereflektierendes Spezialglas natürlich und haben
ein ordentliches, gegen Kälte und Hitze isoliertes Dach.
Damit sind sie nun das ganze Jahr über benutzbar und
garantieren höchsten Wohnkomfort. Kratzbäume, Kletterseile
und Hängematten laden ein zu Fitnesstraining oder zu
Entspannungsübungen.
b) Des einen Leid ist des anderen Freud
Wenn sie schon einmal bei uns waren, wissen Sie auch, dass
mehrere mächtige Bäume auf unserem Grundstück
stehen. Eine der Linden, deren Stamm in einem unserer Gehege
stand, die Krone entfaltete sich hoch über dem Dach,
machte Probleme. Ihre Wurzeln hoben das Fundament des Geheges
und zerstörten den Fußboden. So wurde nach Genehmigung
der schöne alte Baum gefällt und zersägt. Als
die Baumteile dann traurig auf dem Rasen lagen, kam unseren
Pfegerinnen eine blendende Idee. Die Astgabeln der Linde waren
hervorragende Kletterbäume, ideal für das Innere
der Gehege. Sie wurden in mächtige Wannen einzementiert
und dienen nun den Katzen als besonderer Spielplatz.
Lakritz
Ähnlich wie bei Bubi war Lakritz auch ein Straßenkater.
Er ist schwarz, wie ja sein Name schon verrät. Ob er
je eine Familie hatte oder sich schon immer alleine durchschlagen
mußte, ist unbekannt, klar ist nur, er ist sehr scheu.
Er wurde von einer mitleidigen Tierfreundin gefüttert,
aber auch sie bekam ihn nie richtig zu sehen. Er wartete immer,
bis die Dame den Futterplatz verlassen hatte, bis er sich
an das Dargebotene wagte. Kaum hatte er gegessen, verschwand
er schon wieder. Die Tierfreundin aber bemerkte eines Tages,
daß der Kater sich seltsam bewegte. Seine Art zu laufen
war ungewöhnlich, er hinkte, hoppelte. Er mußte
irgendetwas haben, man mußte ihm helfen. Wir wurden
informiert, stellten eine Falle auf und Lakritz war gefangen.
Nun konnten alle sehen, weshalb der Kater sich so seltsam
bewegte: Seine linke Pfote war krumm, sie schien ihm Schmerzen
zu bereiten. Tierklinik! Dort stellte man fest, daß
die Pfote nicht mehr zu retten war, sie mußte amputiert
werden. Für einen Menschen ist der Verlust eines Beines
eine enorme Belastung und Behinderung. Lakritz aber scheint
durch den Verlust der Pfote gar nicht beeindruckt. Er läuft
und springt wie jeder andere Kater. Ein Steak auf dem Kühlschrank
wäre für ihn kein Problem. Er benimmt und fühlt
sich nicht wie ein Behinderter. Seit er im Heim ist, hat er
auch seine Scheu vor Menschen etwas verloren und hofft nun
auf einen Platz in einer Familie, der es nicht so sehr auf
ästhetische Vollkommenheit, sondern mehr auf innere Qualitäten
ankommt.
Und Lakritz hatte Glück - eine Aushilfe von uns, die
schon zwei Katzen hat und katzenerfahren ist, verliebte sich
in ihn und gab ihm ein endgültiges Zuhause.
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Im Duzend billiger
Das Veterinäramt hatte den Tierschutzverein in
Fechenheim angesprochen, daß Katzen aus einer
Wohnung geholt werden müßten. Der Hausbesitzer
hatte das Amt eingeschaltet. Eine Frau hielt in einer
Dreizimmer-Wohnung mehr als 40 Katzen! So viele Tiere
auf einmal aufzunehmen, ging über die Möglichkeiten
des Fechenheimer Tierheims, also baten sie uns um Hilfe.
Die Fangaktion dauerte nicht mehr als einen Nachmittag
und schließlich saßen 44 Katzen in Transportkörben,
wovon 22 Katzen bei uns aufgenommen wurden. |
Die Tiere waren in durchaus gutem Zustand, aber leider alle
unkastriert und so ergab sich ganz schnell solch ein "Katzensegen"
und die Wohnungsinhaberin war mit solch einer Menge total
überfordert. Es dauert eine Weile bis die Tiere kastriert
und medizinisch auf Vordermann gebracht waren. Danach aber
waren all die rot und rotweißen gut zu vermitteln und
fanden alle ein liebes Plätzchen.
Minouche
Es gibt viele Arten, zu einer Katze zu kommen. Manche sind
dabei entschieden bequemer als andere. Minouches Ankunft im
Katzenheim gehörte zu der letzteren, der unbequemen Art.
Dabei fing die Sache gar nicht ungewöhnlich an.
Eines Morgens erhielten wir einen Anruf einer etwas ratlosen
Dame. In ihrem Keller hatte sich ein fremder, scheuer Kater
verkrochen, der wahrscheinlich verletzt sei. Nun, das kommt
vor. Da hilft nur: Hin und den Kater mit etwas Futter und
Überredungskunst einzufangen. Allerdings mußte
die Dame vorher sicherstellen, daß der Kater in ihrem
Keller blieb. Er war durch das Kellerfenster geschlüpft,
also mußte als erstes dieses Fenster geschlossen werden.
Dann mußte die Kellertür "ausbruchsicher"
gemacht werden. Es war eine normale Kellertür aus einzelnen
Holzlatten; breitere Lücken mußten unbedingt verstopft
werden. Die Dame beeilte sich, all dies zu tun und wir machten
uns mit "Werkzeug" auf den Weg. Werkzeug? Nun ja,
das waren in diesem Fall: Katzenfalle, Katzenkorb und Futter
(duftendes Hühnchen und köstliches Hackfleisch,
im Grunde zwei unwiderstehliche Leckereien für ein halb
verhungertes Tier). Doch diesmal verfehlten diese Dinge ihre
Wirkung. Der Kater ließ sich nicht blicken. Daß
er den verführerischen Düften widerstand, ließ
nichts Gutes ahnen. Wahrscheinlich war er krank, hatte sich
deshalb in den dunklen Keller verkrochen. Aber für den
Augenblick war nichts zu machen, dem Kater war auf die Schnelle
nicht beizukommen. Hier waren Zeit und Geduld erforderlich.
Also: Rückkehr am nächsten Tag, am Abend, an dem
keine anderen Termine drängten.
Da der Kater auch bei diesem erneuten Fangtermin nicht auf
das mitgebrachte leckere Futter reagierte, obwohl er jetzt
über einen Tag nichts gefressen haben mußte, blieb
nur die "harte Tour" - der Kater mußte langsam
aber sicher eingekreist werden. Und dies war hier gar nicht
einfach. Es handelte sich nämlich um einen völlig
normalen Keller: Eng, vollgestopft mit all den Dingen, die
sich im Laufe der Zeit ansammeln. Dinge, die man eigentlich
wegwerfen sollte, von denen wir uns aber nicht trennen können,
weil wir sie vielleicht doch noch einmal gebrauchen könnten.
So bahnten sich die Retter nur ganz langsam einen Weg zum
Kater. Dabei mußten sie darauf achten, daß sie
das Tier schließlich in eine Ecke trieben, so daß
sich ihm am Schluß als Fluchtweg nur noch der Weg in
die Katzenfalle bot. Mittlerweile hatten unsere Damen das
Tier wenigstens einmal kurz zu Gesicht bekommen. Was sie sahen,
machte sie in ihren Bemühungen nur noch entschiedener.
Der arme Kerl sah nämlich schlimm aus: Sein ganzer Unterkiefer
hing herunter. So konnte er garantiert nicht fressen und hatte
sich zum Sterben verkrochen. Nach mehr als einer Stunde, staubigen
Händen, Schmerzen in Armen und im Rücken vom ungewohnten
Heben und Kriechen war es schließlich gelungen. Der
Kater saß in der Falle, und nun ging es mit ihm sofort
in eine Tierklinik. Er wurde dort noch am selben Abend operiert.
Mittlerweile ist er schon lange in top Form. Das Futter
schmeckt, aber weshalb wir ihn noch nicht vermitteln
konnten, liegt daran, daß er noch scheu ist. Es
sieht aber so aus, als wäre er einer näheren
Beziehung zu einem Menschen nicht abgeneigt. Er fängt
an, der Tierpflegerin Köpfchen zu geben, ja er
himmelt sie förmlich an - ob er weiß, daß
sie ihm das Leben gerettet hat? Haben wir also noch
ein bißchen Geduld mit ihm - wir sind ganz sicher,
daß wir ihn bald in entsprechende Katzenhände
vermitteln können. |
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Es freut uns immer sehr, wenn unsere Arbeit auch anerkannt
wird. Denn die Einfangaktionen machen wir ehrenamtlich (auch
die Benzinkosten werden selbst getragen und belasten nicht
den Verein).
Frau Oesterhaus, aus deren Keller wir Minouche unter großer
Mühe gerettet haben, schrieb uns ein paar Tage später
folgenden Brief:
Sehr geehrte Mitarbeiter des Katzenschutzvereins,
für Ihre engagierte Mithilfe beim Einfangen und Versorgen
des verletzten Katers möchte ich mich bei Ihnen nochmals
nachdrücklich und herzlich bedanken.
Ich hoffe, er hat sich zwischenzeitlich schon etwas erholt
und genießt schnurrend Ihre Fürsorge.
Auf Ihr Postscheckkonto habe ich heute eine Spende überwiesen.
Ihre Arbeit hat mich sehr beeindruckt.
Mit freundlichen Grüßen und allen guten Wünschen
Helga Oesterhaus
Irrläufer
Es gibt in Frankfurt Gegenden, die sind wahre Paradiese für
Katzen, und es gibt weniger anheimelnde. Da gibt es Wiesen,
Parks, Vorgärten und Gärtchen hinter dem Haus. Hier
kennen die Menschen die Katzen, die dort wohnen:
Da ist die zierliche, getigerte Miezi, die in die Nummer 10
gehört und ihren Garten kaum verlässt, höchstens
den Nachbargärten einmal einen kurzen Besuch abstattet,
aber in Panik davonstürzt, wenn ein fremder Mensch sich
ihr nähert. Und da gibt es Peter, den Nichtsnutz, der
am liebsten in Nachbars Pertersilie liegt, die frisch eingepflanzten
oder geharkten Blumenbeete durchtrampelt und der Schrecken
aller Hunde im Bezirk ist. Und,und, und.
Und dann gibt es Gegenden, da reiht sich Mietshaus an Mietshaus,
freie Flächen sind asphaltiert und dienen als Parkplätze,
Ba hngleise ersetzen den Park und natürlich sind da Straßen
und Autos, Autos, Autos. Dort sind frei umherlaufende Katzen
meist solche, die keinen Besitzer haben, ausgesetzte, entlaufene,
wilde, d.h. Fälle für den Katzenschutzverein. Auch
in diesen Bezirken wohnen Menschen, denen diese Tiere Leid
tun, die versuchen, den Tieren zu helfen.
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So erreichte uns der Anruf einer Dame aus dem GutleutViertel.
Sie wohnt in einer relativ ruhigen Sraße zwischen
Bahnanlagen und Westhafen. Sie hatte beobachtet, daß
in der letzten Zeit häufig eine Katze abends um
die Häuser strich, Hausspalten untersuchte, in
Keller schlüpfte. Es war Frühsommer und was
lag näher als die Idee: eine herrenlose Kätzin
hat in irgendeinem Hinterhof ihre Jungen zur Welt gebracht
und sucht nun ein neues Vesteck für ihre Jungen.
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Die Dame öffnete ihr Kellerfenster und beobachtete, dass
tatsächlich die Katze das Angebot annahm und den Keller
untersuchte. Auch am nächsten Abend kam sie wieder. Der
Katzenfreundin reichte es aber nicht zu wissen, dass sie einer
umherirrenden Katze einen Unterschlupf geboten hatte, speziell
hier nicht, da sie befürchtete, dass junge Kätzchen
im Spiel waren. Als sie am nächsten Morgen im Keller
nachsah, waren keine Kätzchen da, der Keller war leer,
aber am Abend erschien die Besucherin wieder. Nun rief die
Dame uns an, wir sollten uns die Katze ansehen.
Aber bevor wir tätig werden konnten, hatte die Dame mit
Hilfe eines Tierfreundes die Katze schon gefangen und brachte
sie zu uns. Unsere Tierheimleiterin untersuchte die Katze
sofort. War es eine bereits säugende Kätzin? Wie
viele Zitzen waren in Benutzung? Wo waren die Kätzchen?
Sollte man in diesem Fall die Kätzin nicht lieber wieder
zurückbringen, damit die Jungen nicht verhungerten? Die
Spannung wich Erleichterung. Die Katze war ein kastrierter
Kater. Er war auch gar nicht scheu, er war Menschen gewöhnt.
Er sah auch nicht aus, als müsse er sich alleine durchschlagen.
Er war wohlgenährt, sein Fell glänzte - und er war
schon ziemlich alt. Jetzt lag der Verdacht nahe, dass der
Kater vor kurzem zu Hause weggelaufen sein konnte, dass er
irgendwo vermisst wurde. Der Besitzer war sicher schon um
Sorge um sein Tier. Schleunigst wurden Zettel geschrieben,
im Stadtteil ausgehängt. Und tatsächlich, der Kater
wurde gesucht, für Kater und Besitzer gab es ein Happy
End. Willy war am nächsten Tag wieder zu Hause. Aber
wieso darf ein Kater in solch unwirtlicher Gegend auf die
Straße? Willy kommt von der Schwäbischen Alb, ist
Auslauf gewöhnt und partout nicht bereit, auf seine abendlichen
Spaziergänge zu verzichten, auch wenn diese statt zu
Blumen, Büschen und Bäumen zu geparkten Autos, Straßenabfall
und Kellern mit Gerümpel führen.
Peterle
Peterle war kein verirrter Landkater, er wurde in Sachsenhausen
gefunden und lag einfach auf der Straße, an einer Hauswand
und rührte sich nicht. Wir wurden informiert, fuhren
hin und holten ihn. Von Einfangen konnte hier nicht die Rede
sein, hier brauchten wir das Tier nur einzusammeln. Das Tier
hatte keine offenen Wunden, war aber völlig apathisch.
Da der Kater keine Schmerzen zu haben schien, wurde er ins
Katzenheim gebracht, dort sah ihn sich die Tierheimleiterin
genauer an, um zu entscheiden, ob unsere Tierärztin benötigt
würde oder nicht. Der Kater hatte keine Verletzungen,
er war nur völlig schwach und entkräftet vor Hunger!
Er muß wochenlang nichts Richtiges zu fressen gehabt
haben.
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Die Ohren des Tieres waren tätowiert, also konnte
ein Anruf bei Tasso den Besitzer ermitteln. Aber hier
gab es keinen glücklichen Besitzer, der sich über
die Rückkehr seines Katers freute, der Besitzer
war verstorben. Nach dessen Tod hatte sich offensichtlich
niemand des Katers angenommen, sondern ihn einfach sich
selbst überlassen.
Aber wovon soll ein ehemals behüteter Schoßkater
in der Großstadt leben? Mäuse gibt es zwar,
aber nicht an jeder Straßenecke. |
Man muß wissen, wo die Nager sich im Häusergewirr
verstecken. Essensreste? Unsere Mülltonnen haben gut
schließende Deckel und gibt es doch irgendwo einen offenen
Zugang zu Futtertöpfen, dann haben die alt eingesessenen
Streuner ihn fest im Griff. Sie werden einem scheuen, ängstlichen
Neuling in der Straßenkatergilde keine Chance geben!
Also war Schmalhans lange Zeit Peterles Küchenmeister,
so lange, bis er nicht mehr konnte, bis er zu schwach war,
länger zu kämpfen, bis ihm alles gleich war und
er sich aufgab. Aber er hatte Glück. Er wurde noch rechtzeitig
aufgegriffen. Schon ein paar Tage später ging es ihm
entschieden besser, er wusch sich und zeigte Interesse an
seiner Umgebung. Und jetzt schien ihm die Glücksgöttin
doch wieder zuzulächeln: Er fand bald ein älteres
Ehepaar, das ihn zu sich nach Hause nahm. Peterle fühlte
sich dort sofort heimisch. Er war selig, wieder Menschen zu
haben, die er ganz für sich alleine hatte und saß
schon am ersten Abend mit seinen Menschen auf der Couch und
sah fern.
Hopp und weg
Daß manchmal ein Tier aus guten Gründen abgegeben
werden muß, ist uns durchaus klar, dafür sind wir
ja da, um in solchen Notsituationen zu helfen. Und wie schwer
es oft für den Besitzer ist, sich von seinem Tier zu
trennen, sehen wir dann. In der letzten Zeit jedoch ereigneten
sich Fälle, in denen Abschiedsschmerz und Verantwortungsbewusstsein
sehr klein geschrieben wurden.
Normalerweise rufen Leute, die ihre Katze abgeben müssen,
vorher bei uns an und machen einen Termin aus, zu dem sie
das Tier bringen können (denn wir müssen ja auch
den entsprechenden Platz haben). Dann haben wir Zeit, uns
darauf vorzubereiten. Diesen Weg ging der „Herr"
jedoch nicht, der eines Abends gegen 18 Uhr vor der Tür
stand. Die Tierpflegerinnen waren alle schon zu Hause, schließlich
fängt deren Arbeitszeit schon vor 8 Uhr an. Es war nur
noch jemand vom Vorstand da. Der Herr war sehr bestimmt. Er
könne es mit seinem Kater nicht mehr aushalten, das Tier
habe ihm schon die ganze Wohnung demoliert, deshalb müsse
er jetzt weg, heute, sofort. Der Kater war zwar kastriert,
aber ungeimpft und das bedeutet, die Quarantänezeit ist
länger. Unsere Dame versuchte, den Herrn dazu zu bewegen,
sein Tier erst impfen zu lassen, ihn dann noch eine Woche
zu behalten und uns dann zu bringen. Aber der Mann war völlig
ungerührt. Das Tier müsse weg, sofort und das andere
interessiert ihn nicht. Er habe das Tier im Auto und gebe
es jetzt ab, fertig, basta. So mussten wir wohl oder übel
gute Miene zu bösem Spiel machen. Die Tierheimleiterin
wurde zu Hause angerufen, um den Neuzugang aufzunehmen und
für die Nacht zu versorgen. Sie ließ auch alles
stehen und liegen und kam eiligst zurück ins Heim.
Vincent, wie der Kater hieß, war ein reiner Männerkater.
Er machte es unseren Tierpflegerinnen sehr schwer, er war
unleidig und abweisend, knurrte oft, man konnte es ihm schlecht
recht machen, obwohl man sich die größte Mühe
gab - aber er wollte keine Frauen, was meistens umgekehrt
ist, viele Katzen wollen keine Männer!
| Und trotzdem war uns nicht bange, wir haben bis jetzt
immer das passende Frauchen/Herrchen gefunden. Und siehe
da, eines Tages kam ein Herr mittleren Alters und ging
am Gehege vorbei, wo Vincent inzwischen untergebracht
war. |
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Der Kater kam ans Gitter und sah den Mann an und dieser sah
den Kater an und es war Liebe auf den ersten Blick. Herr Dickmann
erkundigte sich bei uns nach diesem Tier, wir erzählten
ihm die Geschichte und Vincent wurde mit nach Hause genommen
und schon zwei Tage später, teilten sich die beiden Männer
das Bett. Inzwischen haben wir wunderschöne Bilder von
ihm, sie zeigen, wie zufrieden und glücklich er ist,
er hat nun endlich wieder einen männlichen Freund.
Frenzi
Frenzi, unsere Bürokatze, ist tot. Wir mussten uns letztes
Jahr von ihr verabschieden. Aber immerhin, Frenzi ist 19 Jahre
alt geworden. Sie kam 1990 zu uns und wir mussten feststellen,
dass sie unsauber war. An eine Vermittlung war daher nicht
zu denken. Aber sonst war Frenzi eine liebe und extrem freundliche
Katze - vor allem Menschen gegenüber. Ihre Artgenossen
dagegen mochte sie partout nicht. Sie fing häufig Streit
an, mischte ihre Zimmergenossen kräftig auf und machte
ihnen das Leben schwer. Nun ist es aber auch fast unmöglich,
in einem Katzenheim mit mehr als 100 Katzen eine Katze als
Einzelkatze zu halten. Da kam man auf die Idee, Frenzi im
Büro eine Sonderstellung anzubieten: als Schreibtischornament
und Sachbearbeiterin für Publikumsverkehr. Frenzi liebte
diese Aufgabe, sie liebte die Besucher, denen sie sich mit
größter Hingabe widmete. Jeder wurde aufs Herzlichste
begrüßt- schnurren, Köpfchen geben, um die
Beine streicheln, das war es, was sie immer wollte. Frenzi
gab alles. Viele hätten Frenzi gern adoptiert, aber mittlerweile
war sie zu einer Institution geworden, untrennbar mit dem
Büro verbunden. Auch ihre Unsauberkeit hatte sich erheblich
gebessert, es gab zwar noch einzelne Ausrutscher, aber verglichen
mit vorher, war das nichts. So verlebte Frenzi immerhin 12
glückliche Jahre bei uns, Jahre voller Abwechslung und
Unterhaltung, die Frenzi bis zu ihrem Ende auch dankbar genoß.
Sie fehlt uns ebenso sehr wie unseren Besuchern.
Benny
Gut zwei Wochen später stand wieder gegen 18 Uhr ein
Ehepaar vor der Tür. Auch sie wollten ein Tier abgeben.
Wieder waren die Pflegerinnen schon zu Hause und nur noch
jemand vom Vorstand da. Dieses Mal aber schienen die Leute
einsichtig. Sie waren bereit, am nächsten Tag zu den
Öffnungszeiten wiederzukommen.
Als die Tierheimleiterin am nächsten Morgen zur Arbeit
erschien, wunderte sie sich über zwei Plastiktüten,
die vor dem Eingangstor standen. Es kommt zwar durchaus vor,
dass Katzenfutter abgegeben, gespendet wird, doch steht das
meist nicht morgens plötzlich vor der Tür und noch
dazu in solch geringen Mengen. Es handelte sich um zwei kleine
Dosen Whiskas und etwas Trockenfutter. Als die Pflegerin das
Tor aufschloß, sah sie ein Stück Zeitung, die unter
dem Tor durchgeschoben war und eine Hand voll Trockenfutter
darauf. Nun schwante ihr nichts Gutes. Sie sah in die Plastiktüte
und fand darin einen Zettel:
„Benny, kastriert, ein Jahr; ich kann ihn leider nicht
behalten."
Benny war natürlich nicht zu sehen. Seine Besitzer hatten
ihn am Abend über das Tor gehievt und fallen gelassen.
Weiß der Himmel, wo das Tier jetzt war. Der Innengarten
des Katzenheims ist nicht ausbruchsicher und in unmittelbarer
Nachbarschaft verlaufen die Bahngleise und die stark befahrene
Autostraße Frankfurt-Offenbach. Die morgendliche Routinearbeit
musste jetzt erst warten. Es war viel wichtiger, Benny zu
finden. Die Heimleiterin ging das Gelände systematisch
ab und sah schließlich zwischen Busch und Hauswand,
nicht weit vom Tor, zwei ängstliche Augen. Nach langem
Zureden wagte der verschüchterte Kater sich endlich aus
seinem Versteck und konnte ins Haus gebracht werden. Dabei
ist Benny ein ganz Lieber und hat diese Behandlung von seinen
Besitzern wirklich nicht verdient! Wir konnten ihn sehr bald
in ein schönes Zuhause vermitteln.
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1 + 3?
Zum Glück gibt es viel mehr verantwortungsbewusste
und tierliebe Menschen als solch rücksichtslose
und egoistische, wie sie gerade beschrieben wurden.
Wir treffen häufg bei unserer Arbeit auf Menschen,
die uns unterstützen und uns helfen und das brauchen
wir auch, denn draußen gibt es viel Elend. |
Einer Dame fiel auf, dass sich in ihrem Garten häufig
eine Katze aufhielt. Die Dame selbst hatte keine Tiere, sie
hatte aber auch nichts dagegen, dass die Katze ihren Garten
besuchte. Die Katze kam schließlich regelmäßig
und so stellte die Dame der Katze auch Futter hin, was mit
großer Begeisterung aufgenommen wurde. Dann war die
Katze plötzlich mehrere Tage verschwunden, um mit drei
entzückenden Kätzchen wieder zu erscheinen. Wenn
der Dame vorher nicht ganz klar war, welche Probleme da auf
sie zukommen könnten, schrillten die Alarmglocken nun
heftigst: Die Mutter mit ihren Jungen könnte zwar ruhig
in diesem Garten leben, dazu war der Garten durchaus groß
genug, aber bei den drei Jungen würde es nicht bleiben.
In vier bis fünf Monaten würden zu den dreien drei
oder vier Geschwister kommen usw. Dem musste ein Riegel vorgeschoben
werden! Also Anruf im Speckweg, ob wir helfen könnten
und einige Tage später legten sich unsere "Katzenfänger"
auf die Lauer. Die Mutterkatze ging in die Falle, ebenso zwei
der Jungen. Aber wo war das dritte?
Alles Warten half nichts, das Dritte war nicht da. Unsere
Damen konnten nichts anders tun als eine Falle zurückzulassen
und mit nur drei Katzen den Rückzug anzutreten. Auch
am nächsten und übernächsten Tag gab es keine
Nachricht vom dritten Jungen. Nun waren die Kätzchen,
als sie eingefangen wurden, schon über 8 Wochen alt und
hatten sich nicht nur in diesem Garten aufgehalten. Mit dem
Würmchen konnte alles Mögliche geschehen sein.
Einen Tag darauf rief eine Tierärztin aus dem gleichen
Stadtteil an, ein kleines schwarzes, etwa 8 Wochen altes Kätzchen
war als Fundtier bei ihr abgegeben worden. Ob wir es nehmen
könnten? Natürlich nehmen wir abgegebene Kätzchen
auf und wir hatten noch obendrein die Hoffnung, dass dies
eventuell unser fehlendes drittes Kätzchen sein könnte.
Leider war es das nicht. Es war ein gefundenes Einzelkind,
das sich aber alleine sehr unwohl fühlte und sich mit
Freuden den anderen anschloß.
Die Mutterkatze brachten wir gleich zum Tierarzt zwecks Kastration
- die Kleinen waren schon groß genug und brauchten nicht
unbedingt mehr die Mutter. Sie wurde operiert und nach zwei
Tagen Genesungszeit in ihren alten Garten zurückgebracht.
Sie ist ein typischer Wildling und sucht/braucht die Freiheit.
Es wäre für sie sehr schwer, sich an ein Leben in
Gefangenschaft zu gewöhnen, an ein Leben, das ihr aufgezwungen
wird.
Wir hofften so sehr, dass sich auch das vermisste Kleine wieder
zeigen würde, nachdem die Mutter wieder draußen
ist - dem war nicht so - es blieb verschwunden und tauchte
auch später nie mehr auf. Auch für uns ist solch
Situation bedrückend, wir wollen so gerne helfen und
können letztendlich die Katzen nicht beizaubern.
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