| |
Odyssee
Katzen, die Freigang haben, leben gefährlich und erleben
manchmal richtige Abenteuer so wie unser Konrad, der im
Oktober zu uns ins Tierheim geholt wurde. Bei ihm gab es
zumindest ein Happy-End, was selten ist.
Folgendes hatte sich ereignet.
Wir bekamen einen Anruf von einer Frau aus Offenbach, die
selbst Katzen von uns hat. Ihr wurde eines abends eine
sehr dünne Katze gebracht, da man wußte, daß sie
sich immer um diese Tiere kümmert. Sie sah wirklich
erbärmlich aus und da es schon zu später Stunde
war, nahm die Dame sie selbst erst einmal in ihrem Keller
auf. Am nächsten Tag rief sie ganz aufgeregt bei
uns an und berichtete, was passiert sei und ob wir das
arme Tier holen könnten. Es war gerade Samstag Vormittag,
also der Tag, wo bei uns am meisten los ist, da auch
vermittelt wird und bis 12 Uhr die Gehege sauber sein
müssen. Wer also sollte noch die Fahrt auf sich
nehmen, um dieses Kätzchen zu holen? Unsere Annette,
die in Offenbach wohnt und sich dort bestens auskennt,
erklärte sich spontan bereit, dorthin zu fahren,
um das Tier in Empfang zu nehmen.
Da es in einem wirklich schlechten Zustand war, riefen
wir sofort unsere Tierarztpraxis an, die die Katze für
eine stationäre Aufnahme abholte. Nun war fürs
erste einmal der Fall für uns gelöst. Da die
Katze nicht tätowiert war – bei Freigängern
sollte man das immer tun, weil sie dann einfach besser
zugeordnet werden können – stöberten wir
erst einmal in unserem Fundbuch, aber auch dort fanden
wir nichts, was auf dieses Tier paßte. Also hieß es
abwarten auf die Dinge, die da kommen.
Unsere Tierärztin stellte fest, daß es sich
um einen alten Kater handelt (da er so dünn war, hatten
wir gedacht, es sei eine Kätzin, die im allgemeinen
kleiner als Kater sind). Die Untersuchungen, die notwendig
waren, um raus zu bekommen, was dem Kater fehlt, wiesen
auf eine Nierenerkrankung hin. Er wurde in der Praxis erst
einmal aufgepäppelt und kam nach ein paar Tagen zu
uns zurück. Wir waren sicher, bei uns ist seine letzte
Station, denn in seinem Alter (wir schätzten ihn auf
mindestens 15 Jahre!) hatte er so gut wie keine Vermittlungschancen
und wer will auch einen Kater, der ständig medizinisch
betreut werden muß. Wir richteten uns darauf ein – die
medizinische Versorgung ist für uns zumindest kein
Problem.
Aber es kam anders, es gab wie oben schon erwähnt
ein Happy-End.
Eine in unserem Tierheim beschäftigte Dame, die ebenfalls
in Offenbach wohnt, hatte eine Anzeige gelesen, wo ein
alter Kater gesucht wurde. Sie wußte von unserem
Neuzugang und war sich sicher, daß Konrad das Tier
ist, was bei uns nun eine neue Heimat gefunden hat. Die
ganze Beschreibung paßte und auch das angegebene
Alter von 16 Jahren kam hin. Nun wurde eilends die Telefon-Nummer
gewählt, aber man bekam niemand an den Apparat, aber
zumindest konnte man auf den Anrufbeantworter sprechen.
Es dauerte bis zum nächsten Tag bis wir einen Rückruf
hatten – und es klang wirklich so, daß unser
Tier das gesuchte Tier ist.
Nun wurde keine Zeit verloren und man kam zu uns in den
Speckweg und war natürlich ganz aufgeregt. Würde
es tatsächlich Konrad sein? Er war es -- er schnurrte
hingebungsvoll als seine Besitzer ihn wieder in ihre Arme
schlossen.
Wir machten den Besitzern klar, daß es ein ganz
großes Glück ist, daß sie ihren Kater
wieder bekommen haben und daß in einem solch hohen
Alter und vor allem auch wenn das Tier nicht mehr gesund
ist, auf keinen Fall unkontrollierter
Freigang gegeben
werden sollte. Viele Tiere brauchen ihn dann auch gar nicht
mehr. Denn was passiert, in einem solchen Beispiel wie
dem unserem, wenn das Tier nicht gefunden wird – es
zieht sich irgendwo zum Sterben zurück und das Sterben
ist einsam und dauert einige Tage – für einen
Tierfreund kein schöner Gedanke.
|
|