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Notruf aus Griechenland von der Insel
Tinos
So lautete der Betreff eines emails, das uns Ende
Juli erreichte und hier der genaue Wortlaut:
Liebe Katzenfreunde,
ich bin im Moment (eigentlich im Urlaub….) auf
der Insel Tinos. Letzte Woche habe ich ein halbverhungertes
Kätzchen aufgelesen. Sie war in einem mehr als
erbärmlichen Zustand. Der Tierarzt der Insel hat
sie untersucht. Es handelt sich um ein ca. 5 Wochen
altes Katzenmädchen mit dem Namen „Pienchen“.
Sie ist soweit man es feststellen konnte gesund, nur
viel zu mager. Ich habe sie von Flöhen befreit,
ein leicht entzündetes Auge behandelt (jetzt völlig
in Ordnung), Zecken waren keine zu finden.
Diese Kleine ist ganz bezaubernd, mittlerweile glänzt
das schwarze Fell etwas und sie ist unheimlich lieb – nur
fehlt ihr die Mama. Am Donnerstag fliege ich wieder
nach Frankfurt.
Nun meine Frage:
Haben Sie die Möglichkeit das Kätzchen aufzunehmen?
Ich bin selbst stolze Katzenbesitzerin. Letztes Jahr
habe ich 4 Katzen von Tinos vermittelt und sie sind
glücklich in Deutschland. Auf der Insel hat sich
keiner bereit erklärt, das kleine Wesen aufzunehmen.
Ich würde für den neuen Besitzer bzw. auch
für sie sämtliche Arztkosten, Impfungen und
die Sterili-sationskosten übernehmen. Sehen Sie
eine Chance mir zu helfen?
Sie erreichen mich unter ………..
Kalimera und einen lieben Gruß
Wir haben sofort reagiert und die angegebene Telefon-Nummer
angerufen und schon waren wir verbunden mit der Katzenretterin,
der wir die Aufnahme – unabhängig von jeglicher
Verpflichtung - zusicherten. Wir vereinbarten, daß wir
Sie am Ankunftstag in Frankfurt am Flughafen mit der
Kleinen abholen würden und tauschten die Ankunftsdaten
aus. Überglücklich verabschiedete sie sich
am Telefon.
Drei Tage später telefonierten wir noch einmal
zusammen, um sicher zu gehen, daß es auch dabei
bliebe, daß sie heute Abend in Frankfurt landen
würde. Das wurde bestätigt und so stand unsere
Tierheimleiterin zur vorgeschriebenen Zeit am Terminal
1 und wartete auf die Maschine, die aus Athen landen
sollte. Es dauert immer eine Weile bis die Menschen
kommen, aber dann sah sie auch eine junge Dame mit
einem Katzenkörbchen in der Hand und – es
war die Urlauberin mit dem geretteten Baby, auf die
man gewartet hatte. Man verabschiedete sich als Freunde
und Frau H. versprach, am Samstag uns im Heim zu besuchen.
Unsere Brigitte hatte nun das kleine Kätzchen
in ihrer Obhut und schnell fuhr man in den Speckweg.
Dort wurde es erst noch einmal versorgt und dann konnte
auch sie ruhigen Gewissens nach Hause gehen.
Am Samstag kam dann auch die Tierfreundin mit einer
Freundin zu uns und war sichtlich angetan, wie gut
es „ihrem“ Kätzchen geht und erzählte
nun die ganze Rettungsgeschichte. Was uns zu tiefst
berührte, war, daß kein anderer bereit war,
dieses Tier aufzunehmen und daß durch die Aufnahme
des Kätzchens ins Hotelzimmer eine Freundschaft
zerbrach. Frau H. war mit einer Freundin in Urlaub
gefahren, diese aber wollte das Kätzchen nicht
im Zimmer und so trennte man sich – sie aber
konnte auf keinen Fall gegen ihr Gewissen handeln,
für sie war das Kätzchen in diesem Moment
wichtiger, sie sah ein hilfloses Wesen vor sich, daß es
galt, zu retten und nur dieser Gedanke zählte
und wir meinen, sie hat richtig gehandelt und wir hätten
es ebenso gemacht.
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